Von Wuppertal nach New York - 30 Jahre Ausstellungen in der Uni-Kneipe

Jubiläumsausstellung von Detlef Bach, Bernd Bähner, Ines Pröve, Nanny de Ruig, Ulrike Riemer-Preis und Brigitte Schöpf

 

„Hier kann man sicher tolle Ausstellungen machen“, dachte Fritz Berger, als er 1987 als frisch gewählter Geschäftsführer des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal zum ersten Mal die Uni-Kneipe betrat. Plakate an den Wänden warben damals für „Wein aus deutschen Landen“. Obwohl deutscher Wein Werbung dringend nötig hatte, machten die Plakate schon kurz nach Beginn des Wintersemesters Platz für die erste Kunstausstellung. Es brauchte etwas Zeit, bis die Kneipe des Hochschul-Sozialwerks sich als guter Ausstellungsstandort in der „Szene“ herumgesprochen hatte. Vor allem die Wuppertaler Kunststudenten, denen das Hochschul-Sozialwerk ein „niederschwelliges Ausstellungsangebot“ machen wollte, blieben lange fern. Das lag sicher zum einen daran, dass der Fachbereich damals noch in der Hofaue sein Eigenleben führte. Allerdings hegt Fritz Berger bis heute einen anderen „Verdacht“: „Bis zum Examen halten die ambitionierten Kunststudenten den Weg über die Uni-Kneipe nicht für karrierefördernd. Die Ziele sind da deutlich höher gesteckt: von Wuppertal möglichst ohne Umweg nach Paris oder New York“.

Realistischer sahen das sehr bald – und bis heute – viele examinierte und erfahrene Künstler aus dem In- und Ausland. So viele jedenfalls, dass die Ausstellungen in der Uni-Kneipe auf drei Jahre im Voraus ausgebucht sind. Einer der ersten war Detlef Bach: 1987 machte er sein Diplom im Fach Grafik & Design und sammelte 1988 in der Kneipe erste Ausstellungserfahrung mit viel beachteten Portraits. Geschadet hat es ihm nicht: Ihm gelang gleich zweimal der Sprung nach New York: 1998 Einzelausstellung „Figure & Abstraction“, in Gallery Art Exchange, New York sowie1999 jeweils Einzelausstellung „Hommage à Marquis de Sade“, in Gallery Stendhal, New York, und Museum of Contemporary Art, Washington D.C.. Detlef Bach ist eine Multibegabung: bis heute erfolgreich und vielfach ausgezeichnet als Maler, Zeichner, Photograph, Texter, Radiomoderator, Vorleser und so manches mehr, siehe www.detlefbach.de.

Zu seinen Bildern sagt er: „Malereien, Übermalungen, Textfetzen, Zeichnungen, Photographien, und vieles mehr sind die Ingredienzien auf all meinen Leinwänden oder Papieren. Und zwar Schicht auf Schicht auf Schicht. Bisweilen erkennt man dort auf den ersten, zweiten oder dritten Blick auch mich selbst. Ich war und bin stets neugierig auf die Ideen und Methoden anderer und auch deshalb ist das Collagieren mehrerer Bedeutungsebenen und Techniken konstituierendes Wesen meiner Bilder. Die Titel meiner Werke wähle ich mit großer Sorgfalt – manchmal dauert die Titelgebung dabei länger als das Schaffen des Bildes selbst – am Ende finden sich so oft Textfragmente oder Notationen auf den Leinwänden, die mein Leben mir so malt oder schreibt“.
   ⇒ www.detlefbach.de

Auch für Bernd Bähner war seine erste Ausstellung in der Kneipe eine wichtige Wegmarke. Sein Studium der Lebensmittelchemie an der Wuppertaler Uni hatte er abgeschlossen und auch die Referendarzeit erfolgreich hinter sich gebracht. Doch statt der auf ihn wartenden sicheren Laufbahn in der staatlichen Lebensmittelaufsicht wählte er den Sprung ins freie Künstlerleben – ohne Netz und doppelten Boden. Er vertraute einfach auf seine drei persönlichen Grundpfeiler: Kreativität-Spiritualität-Sinnlichkeit. Mit Erfolg: nach einem Malereistudium an der Novalisschule in Kamp-Lintfort und der Europäischen Kunstakademie in Trier eröffnete er 1999 seine eigene Galerie in der Elberfelder Nordstadt, gibt Malkurse und unternimmt zum „Auftanken und Malen“ regelmäßige Winterreisen nach Bali und Indien, kommt aber, vielleicht gerade deshalb, in seine Heimatstadt Wuppertal immer wieder gerne zurück.

Zu sehen sind von Bernd Bähner kleinformatige Motive aus Wuppertal, wie etwa das Café Ada, die Marienstraße oder der Manuelskotten. Das Entstehen der Bilder beschreibt er so: „Die Bilder sind geprägt von schwarzen Linien, sie entstehen frei und ohne Vorzeichnungen mit einem chinesischen Kalligraphie-Füller. Deshalb sind sie sehr lebendig. Dazu kommt Aquarellfarbe, aber mit vielen offenen Stellen, damit wird auch der Raum erfasst. Diese Kombination benutze ich seit 2 Jahren, auch vor Ort auf meinen Reisen“.
    ⇒ www.berndbaehner.de

Als die in Ludwigsburg geborene Ines Pröve 2009 zum ersten Mal in der Uni-Kneipe ausstellte, verfügte sie bereits über eine mehr als zehnjährige Ausstellungserfahrung. Sie hatte von 1990 bis 1995 Malerei bei Prof. Eva Schoofs-Kentner studiert und längst ihre eigene künstlerische Handschrift entwickelt. Obwohl völlig abstrakt, erinnern ihre das gesamte Spektrum der verfügbaren Ölfarben und Pigmente einsetzenden Arbeiten ganz entfernt an Landschaftsbilder. Nicht zufällig nennt Sie - wegen der Strahlkraft seiner Bilder - den großen William Turner als Vorbild. Allerdings geht es Ines Pröve nicht um die szenische Wiedergabe der Realität, eher schon um die Wiedergabe des Entstehens und zugleich der Vergänglichkeit von Formen und Materialien. Dazu passt, dass die Künstlerin ihren Werken keine Titel gibt. Der Wuppertaler Schriftsteller Michael Zeller, sagte dazu 2009: „Der Verzicht auf den Namen zwingt uns, auf das Bild selbst zu schauen, auf seine Machart, seine Methode des Entstehens. Hier wirkt eine Kraft, die tatsächlich nicht benennbar ist...: die Kraft des Machens“. Ines Pröve erhielt 2015 den Preis der Enno- und Christa Springmann-Stiftung Wuppertal für ihr künstlerisches Schaffen.
    ⇒ www.inesproeve.de

Nanny de Ruig ist schon so lange ein Juwel des Wuppertaler Kulturlebens, dass ihre niederländische Herkunft – und auch ihre Schulzeit in Frankreich - fast droht vergessen zu werden. Nach dem Besuch eines internationalen Gymnasiums in St-Germain-en-Laye bei Paris studierte sie Textil- und Modedesign in Den Haag. In den stürmischen Jahren 1968 und 1969 kam sie als Gaststudentin an die Werkkunstschule Wuppertal. Allerdings ging sie für zwei Jahre als Kunstlehrerin zurück in die Heimat, um ab 1970 in Wuppertal künstlerisch durchzustarten – und zwar nicht allein als Malerin. Sie war Sängerin der Gruppe Hölderlin. Später widmete sie sich Tanzprojekten und Performances. Von 2008 bis 2011 tanzte sie im Ensemble „Kontakthof für Damen und Herren 65+“ des Pina Bausch Theaters. Ihre Ausstellung in der Uni-Kneipe war im Jahr 2007. „Ja, ich male Bilder - im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt sie selbst über ihre Arbeiten. „Das Bedürfnis zu malen geschieht intuitiv und ohne Kalkül. Das Thema kann ein spontaner Gedanke, Erinnerungen, Wahrnehmungen oder Erlebnisse und auch Dinge des Alltags sein. Dieses dient dann als „Aufhänger“ für meine Geschichten. Ein gefundene Anfangsidee wird aber nicht illustrativ bearbeitet oder sogar fotografisch abgebildet, sondern während des Malens entwickelt sich in mehrere Anläufen eine mir sichere Formensprache , eine erzählerische Komposition entsteht, die das anfängliche Subjekt oder Thema atmosphärisch einkreist. Ein Bild beende ich meistens in einer Phase, wo es die Waage hält, zwischen Konkret und Abstrakt und wo ich das Gefühl habe, meine Erlebniswelten eingefangen zu haben.“
    ⇒ www.movingartbox.de

Auch Ulrike Riemer studierte bis 1968 an der Werkkunstschule bei Prof. Rudolf Schoofs. Sie wurde Designerin und Atelierleiterin in einer Teppichfabrik. 1971-73 folgten erste Ausstellungen im Bergischen Land, sowie in Köln in der Galerie „Boisserée“ und in Capoliveri auf Elba. Nach einer sehr erfolgreichen Ausstellung 1995 in der „Kneipe“ des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal, gründete Ulrike Riemer ein Jahr später ihre Malschule in Ronsdorf - mit dem Schwerpunkt Aquarell- und Acrylmalerei. 1997 nahm sie teil an der ersten Jubiläumsausstellung des Hochschul-Sozialwerks und präsentierte sich 2001 – aller guten Dinge sind 3 - erneut in der Kneipe, dieses Mal mit drei Schülerinnen ihres Ronsdorfer Malkreises. 2003 verlegte sie ihr Atelier in die Germanenstr. 81 nach Wichlinghausen. 2003 erfolgte ihre Aufnahme in die BKG (Bergische Kunst Genossenschaft). 2004 präsentierte sie eine Einzelausstellung im Studio der BKG in der Barmer Kunsthalle. Zu ihren Bildern in der Jubiläumsausstellung sagt Ulrike Riemer: „Meine Bilder, die ganz aktuell in den letzten Wochen entstanden sind, reflektieren die vielen, kaum fassbaren Naturkatastrophen, über die in den Medien dauernd berichtet wird. Dazu passen die verwendeten Farben, die anders als bei mir sonst üblich größtenteils gedeckt und bedrückend erscheinen“.
  ⇒ www.riemer-preis.de

Brigitte Schöpf ist Innenarchitektin und Künstlerin – oder umgekehrt: Künstlerin und Innenarchitektin. Seit dem Studium der Innenarchitektur ist das Skizzenbuch ihr ständiger Begleiter. Zeichnen, auch perspektivisches Zeichnen, hat sie von der Pike auf gelernt. Es gehörte bei Ihrem Studium der Innenarchitektur zum Ausbildungscurriculum. Allerdings beschränkte sie sich schon damals nicht auf das Pflichtprogramm. Vielmehr zog es sie in ihrer Freizeit mit Bleistift und - natürlich – ihrem Skizzenblock nach Beyenburg, Gräfrath oder an andere schöne Orte, wo sie Gassen, Häuser oder Personen zeichnete.

Über die Jahre ist der Ausstellerin das Malen immer wichtiger geworden. Es füllt inzwischen einen großen Teil ihrer Freizeit aus. Auch ständige Fort- und Weiterbildung war und ist ihr wichtig: so etwa an Freien Akademie für Malerei in Düsseldorf, der Kunstakademie Bad Reichenhall oder der Kunstakademie Trier.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass Brigitte Schöpf auch in ihrem Beruf als Innenarchitektin im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneten Erfolg hat. 2014 erhielt sie den Deutschen Innenarchitektur-Preis für die Innenarchitektur der Wuppertaler Junior-Uni und die Gestaltung eines Privathauses in Wuppertal. Diese Auszeichnung ist der Oscar für Innenarchitekten und wird nur alle 5 Jahre vergebenSichtbare Ergebnisse ihrer Malreisen ins In- und Ausland sind nicht allein die Skizzenblöcke, sondern bis heute schon zahlreiche und erfolgreiche Ausstellungen, nicht zuletzt 2015 in der Uni Wuppertal. Ihre Schwerpunkte sind Figur und Raum, Fläche und Linie, mit Aquarell, Gouache und Acryl. Brigitte Schöpf über ihre Bilder in der Jubiläumsausstellung: „Diesmal zeige ich überwiegend Gouache-Bilder. Ich habe sie aber nicht vor Ort gemalt, sondern später im Atelier. Fasziniert bin ich immer wieder von fremden Kulturen, Begegnungen mit Menschen, Orten, Gerüchen. Das sieht man in den Bildern, die inspiriert sind von Menschen, ihren Begegnungen und Beziehungen zueinander, zum Beispiel in einer Situation der Gefahr oder Not“.
   ⇒ www.brigitteschoepf.de

 

Die Ausstellung von Detlef Bach, Bernd Bähner, Ines Pröve, Nanny de Ruig, Ulrike Riemer-Preis und Brigitte Schöpf in der Kneipe ist bis voraussichtlich Anfang Januar zu sehen – von montags bis freitags jeweils in der Zeit von 11 bis 23 Uhr.