„Blickwechsel“:

Ausstellung von Nataly Hahn und Eberhard Vogler in der Uni-Kneipe des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal

 

Mit ihrer Ausstellung in der Kneipe des Hochschul-Sozialwerks Wuppertal laden Nataly Hahn und Eberhard Vogler die Besucher ein zu einem spannenden Blickwechsel zwischen den abstrakten Welten der Malerei und den realen Welten der Fotografie.

Während Eberhard Vogler für seine Fotografien vorwiegend Motive aus der Architektur wählt und den morbiden Charme von verwitterten Fenstern und Türen, sowie den Reiz von verfallendem Mauerwerk „im Blick“ hat, stellt Nataly Hahn in ihren abstrakten Acrylwerken die Darstellung imaginärer Innen- und Außenwelten in den Vordergrund. Der „Blick“ ist hier auf die Durchdringung und das Verbindende dieser Welten gerichtet.

Trotz der unterschiedlichen Kunstrichtungen und Herangehensweisen wird der Betrachter viele Gemeinsamkeiten entdecken. So teilen etwa beide Künstler die Faszination für Struktur, Material und eine gewisse Reduktion auf das Wesentliche. Auch ist es ihnen beiden ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeiten, den Moment festzuhalten bzw. einen „JETZT“-Zustand aufzuzeigen.

Deutlich wird auch, dass die Fotografie der Malerei künstlerisch durchaus ebenbürtig sein kann – und wenn dies wie hier der Fall ist – die Ausstellung beider Kunstformen eine zusätzliche Spannung bieten kann.

 

Zu den Bildern von Nataly Hahn

„Das Innen und das Außen bedingen sich gegenseitig. Auf der Leinwand soll es sich zu einem Ganzen materialisieren und die Verbundenheit dadurch erfahrbar werden“, erläutert die Künstlerin.

  Aus diesem Grund verwendet  Nataly Hahn oftmals Sand, Spachtelmasse und Marmormehl und schafft durch Schichtungen und Übermalung die Materialität und die Substanz, die aus ihrer Sicht eine Durchdringung des Ganzen erst ermöglicht und erfahrbar macht. Im Prozess kommt es zu einer Verbindung von Farben, Flächen und Formen.

Die Farbpalette der Künstlerin ist ganz bewusst reduziert. Jede Farbe hat eine eigene Bedeutung und weist auf bestimmte innere und äußere Aspekte hin. Teilweise  dominiert die Farbe Blau, die für Tiefe, für das Mentale, für die Sehnsucht, aber auch für den Moment der Freiheit steht. Mit dieser Farbe gelingt es den imaginären Raum zu überwinden und frei zu werden. Entsprechend gewählt hat sie  auch die Titel der Bilder, die „Frei ist das Blau“, „Neue Blaue Wege“ oder „Blaue Träume“ lauten.

Auch in den Bildern „Kleine Innen-und Außenwelten“ oder „Kreisfragmente“ weisen die Farben wie z.B. das Blau auf den mentalen und das Rot auf den emotionalen Anteil hin. Das Gelb steht für die Verbindung zwischen den Welten (und der Polaritäten).

Bei einigen Bildern fällt der Schwarz-Weiß-Kontrast auf, den die Künstlerin hier als Ausdrucksmittel einsetzt. Die innere Durchdringung soll dadurch spürbar werden einmal durch das Material (von Sand, Spachtelmasse u. Marmormehl) im Untergrund  aber genauso durch die Farben.

Eine andere Gruppe zeigt schwarze, weiße und ockerfarbene Fragmente im Raum. Das Schwarz steht hier für die Materie, das Weiß für den Raum als Möglichkeit. Ocker oder Gelb sind ein verbindendes Element. Dabei ist es der Künstlerin wichtig, sich nicht starr festzulegen, was die Farbwahl, Fläche oder Form betrifft, sondern frei ihren Empfindungen nachgeben zu können. Das kann mal gestisch-expressiv, mal spielerisch oder einfach suchend-findend sein.

In dieser Ausstellung werden ca. 20 Werke präsentiert, die uns eine kleine, aber feine Auswahl über Nataly Hahns Schaffen zeigen. Die Künstlerin lebt und arbeitet seit 1989 in Wuppertal. Sie ist 1968 in Seoul  geboren und in Süddeutschland aufgewachsen.

  • fortlaufende und intensive Auseinandersetzung mit eigenen Arbeiten und der Kunst   seit 1990.
  •  Weiterbildungen, Zeichen- und Malkurse bei verschiedenen Künstlern. (B. Matthes,  U. Riemer, G. Lipken, G. Medagli, P. Sonnewend (Frühjahrsakademie IBKK   Bochum) G. Musebrink (Freie Malklasse, Essen), A. Jeanmaire, Zürich, J. Kilian (Gästekurs, Freie Akademie Düsseldorf) und Akademie Remscheid (Siebdruck und Druckwerkstatt).
  • seit 1999 Acrylmalerei gegenständlich und abstrakt.

Ihr Weg führte sie immer wieder zur Kunst zurück.

 

 Zu den Bildern von Eberhard Vogler

Für diese Ausstellung hat Eberhard Vogler Architekturaufnahmen zusammengestellt, die er auf Reisen durch Griechenland und Spanien aufgenommen hat.

Gezeigt werden in einer Gruppe 12 Farbfotografien, die 2015 auf der griechischen Insel Kos entstanden sind. Die zwölf von ihm fotografierten Hotels, Tavernen und Wohnhäuser befinden sich in einem Schwebezustand. Sie stehen stellvertretend für ein ganzes Land, das sich zwischen Staatsbankrott und Rettung befindet. Einst belebte und beliebte Hotels und Tavernen wurden verlassen und werden gemieden. Hübsche und ansehnliche Gebäude, die zu ihren besten Zeiten der Stolz eines ganzen Ortes waren, wurden zu einem Schandfleck für eine ganze Region.

Gepflegte Gebäude verloren ihren Glanz, verwahrlosen und werden ihrem Verfall ausgesetzt. Wo in besseren Tagen noch viele Menschen „Arbeit und Brot" fanden, herrscht nun die Arbeitslosigkeit. An begonnenen Bauvorhaben wurde nicht weitergearbeitet. Sie wurden zu Ruinen und verschandeln die Landschaft. Was als neues Heim für zukünftige Bewohner gedacht war, verkommt zu einem Mahnmal.

Werden diese Gebäude fertiggestellt, wieder in Betrieb genommen oder endgültig aufgegeben und somit sich selbst und der Natur überlassen? Wer weiß das schon? Im Moment befinden sie sich in einem Zustand „dazwischen". Eberhard Vogler hält diesen Moment als Mahnung fest.

Eine weitere Bildergruppe der Ausstellung zeigt acht Detailaufnahmen in hoher Auflösung, die er 2013 auf der spanischen Insel Teneriffa aufgenommen hat.

Der schöne Schein, der auf Hochglanz polierten Häuser, ist nicht die Welt von Eberhard Vogler. Vielmehr lenkt er unseren Blick auf Gebäude, denen ein morbider Charme anhängt. Blätternde Farbe an Türen und Wänden üben auf ihn eine Faszination aus, die er in seinen Bildern festgehalten hat. Seine Motive sind wie durch eine Lupe fotografiert. Dadurch wirken sie wie abstrakte Formen, mal geometrisch exakt, mal wie Aquarellfarben, die ineinander verlaufen sind. Mit geschultem Blick fängt er liebevoll Details ein, stellt so neue Strukturen und Muster her, die durch den gekonnten Einsatz von Licht und Perspektive in Szene gesetzt werden.

Die blätternde Farbe bildet ein gegliedertes Muster, Schatten ergeben eine geometrische Struktur. Die aus dem konkreten Zusammenhang entnommenen unbearbeiteten Fotos werden so zu abstrakten Farbflächen. Die Farbpalette von Eberhard Vogler ist beschränkt. Die farbigen Bilder sind teilweise sogar monochrom oder enthalten neben schwarz und weiß nur eine Farbe. Was einst schön, berühmt und glänzend war, vergeht. Man spürt, alle diese Motive erzählen eine Geschichte. Welche, das überlässt der Fotograf letztlich dem aufmerksamen Beobachter.

Eberhard Vogler sagt dazu selbst: „Das Fotografieren ist für mich eine große Leidenschaft. Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Motiven. Die Fotografie eröffnet mir die Möglichkeit, etwas in einem anderen Licht erscheinen zu lassen: ich entdecke ein Motiv, wähle dann einen Ausschnitt und erschaffe so ein neues Bild. Ich komponiere meine Bildausschnitte während der Aufnahme, eine Ausschnittveränderung am PC findet nicht statt.“

Der Wuppertaler Eberhard Vogler ist Fotokünstler seit 1978. Er ist Mitglied im Deutschen Verband für Fotografie e.V., im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Bergisch Land (BBK) und im „German Chapter“ der britischen „Royal Photographic Society“.

 

Die Ausstellung von Nataly Hahn und Eberhard Vogler in der Kneipe der Bergischen Universität Wuppertal ist zu sehen  vom 03. April bis Ende Juni 2017, jeweils montags bis freitags von 11 bis 23 Uhr.